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Geschichtliches

Seit der Zusammenlegung der Gemeinde Rothleiten mit der Marktgemeinde Frohnleiten (mit Wirkung vom 1. Jänner 1992) ist das rund 10.500 Hektar umfassende Gemeindegebiet von Rothleiten ein Teil der Grossgemeinde Frohnleiten. Daher sei die Geschichte von Rothleiten hier wenigstens in grossen Zügen skizziert.

Im einstigen Gemeindegebiet von Rothleiten, das rund 10.500 ha umfasste, liegen mit Adriach (erste urkundliche Nennung 1060-1076) und Laufnitz (erste urkundliche Nennung 1074-1087) die ältesten im heutigen Gemeindegebiet urkundlich erwähnten Örtlichkeiten.

Beide Ortsnamen sind slawischen Ursprungs und lassen uns - wie andere alte Fluss-, Orts- und Gegendnamen aus der Umgebung von Frohnleiten - erkennen, dass dieses Gebiet ursprünglich von Slawen besiedelt war. Diese waren nach dem Abzug der Langobarden (568) entlang der grossen Flüsse Save, Drau und Mur in den Ostalpenraum eingedrungen.

Es war der unter der Herrschaft der kriegerischen Awaren lebende Stamm der Slowenen, der von den Bayern als "Windische" bzw. "Wenden" bezeichnet wurde, welcher den Ostalpenraum bis zur Traun in Oberösterreich bzw. bis zu den Quellen der Drau bei Innichen / San Candido, wenn auch nur recht dünn, besiedelte.

Der Name Adriach (1066 "Agriach ") lässt sich auf das altslowenische "zagoriach" zurückführen, was am besten etwa als "bei den Hinterbergern" übersetzt werden kann. Der Name zeigt, dass die Namensgebung offenbar durch Leute erfolgt sein musste, die jenseits der Berge - d. h. im oberen Murtal - gelebt haben.

Dort befand sich im Gebiet des Aichfeldes mit der Kirche "ad Undrimas" eine der ersten christlichen Kirchen im noch rein slawisch-heidnischen Gebiet und in Göss das älteste - nämlich uni 1000 gegründete - Kloster des Landes. Von dort aus gesehen lag Adriach eben "hinter den Bergen".

Laufnitz ist urkundlich um 1074 als "Lufniz" bezeugt und entspricht dem slawischen Wort "lubnica", was zu deutsch etwa "Bastbach, Rindenbach" bedeutet. Gottfried S c h w e i z e r konnte nun allerdings nachweisen, dass die bayrischen Siedler, die den Laufnitzgraben vermutlich seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert besiedelten, diesen Bach "Raispach" nannten. was soviel wie "von oben nach unten stürzend" bedeutet; der Name Reispach hat daher etwa die Bedeutung "Sturzbach".

Die slawischen Siedler hatten sich ursprünglich ja offenbar am Ausgang des Laufnitzgrabens im Bereich von Laufnitzdorf niedergelassen. Die weiter taleinwärts gelegenen Teile der Laufnitz, vor allem aber die Hinterlaufnitz, hatten sie vermutlich nicht besiedelt.

Slawischen Ursprungs ist auch der Name Gams, der vom altslowenischen "kamenica" herkommt, was "steinig" bedeut. Der Gamsgraben, der zu einem alten Übergang in den Gössgraben führt, wäre daher eigentlich als "steiniger Graben" zu übersetzen.

Der südlich davon gelegene Pöllagraben ist in seinem ersten Teil breiter und erhielt daher den slawischen Namen "poljana", was "Almwiese" bzw. "Wiese" bedeutet. 1441 wurde das von den deutschen Siedlern noch durchaus verstanden, denn sie nannten diesen Graben damals noch "die Pöllan".

Den Übergang vom hinteren Gamsgraben in die Laufnitz bildet der Priwallergraben. Darin steckt das altslowenische Wort "prevali", was "Berglehne" oder auch "Übergang" bedeutet.

Auch die nördlich der Laufnitz gelegenen Orte Traföß und Zlatten stammen aus dem Slawischen. In Traföß steckt das altslowenische "trebiti" oder "trebez", was "roden" oder "Rodung" bedeutet. In Zlatten steckt "zlatina" mit der Bedeutung "Sauerbrunnen", nach einer am Beginn des Zlattengrabens sprudelnden eisenhältigen Sauerquelle, die sowohl der Siedlung als auch dem Graben den Namen gab.

Da aus der Zeit vor der deutschen Besiedlung, die in unserem Raum etwa nach 820 einsetzte, aber zunächst hauptsächlich die Flusstäler erfasste, kaum schriftliche Urkunden vorhanden sind, stellen die Orts-, Flur- und Flussnamen die einzige Quelle dar, die uns Rückschlüsse auf die Siedlungsgeschichte dieser "schriftlosen Jahrhunderte" ermöglichen.

Wie im Mürz- und Ennstal besiedelten die Alpenslawen auch im Murtal in der Regel die meist bereits gerodeten Talleisten oder flacheren Talhänge, wie die Lage der Siedlungen Laufnitz, Adriach oder jenseits der Mur auch Schrems beweist. In Schrems steckt das altslowenische „skremenica", das zum Wort „kremen", d. h. „Kiesel", gehört und etwa „Kieselbach" bedeutet.

Erst später drangen die slawischen Siedler auch weiter in die Seitengräben vor, wie die slawischen Namen für Gams und den Pöllagraben gezeigt haben. Aus einem deutschen und einem slawischen Wort ist der Name des Rathlosgrabens zusammengesetzt. Im Wort „Rath" steckt das bayrisch-deutsche „reuten", das heisst „roden", und „los" geht auf das slawische „las" zurück, was gleichfalls „den Wald roden" bedeutet. Im Sprachgebrauch wurde daraus aber Rathlos, wenn auch die mundartliche Aussprache heute noch „Roatlos-Graben" lautet.

Der bäuerliche Hausname „Bodlos", der in der Umgebung von Frohnleiten auch als Personenname üblich ist, hat gleichfalls eine slawische Wurzel. Er lässt sich vom altslow. „pod", das heisst „unterhalb, am Fuss", und „las" = „Rodung" herleiten und bezeichnet daher den Hof, der unterhalb der Rodung liegt.

Die unverständlich gewordenen Namen Rathlos und Bodlos wurden von den Leuten dann in „ratlos" (sein) und „bodenlos" (sein) umbedeutet, was aber keineswegs ihrer wahren Bedeutung entspricht.

Über dem Rathlosgraben liegt der Altenberg, dessen Name bezeugt, dass er ein altes Siedlungsgebiet ist, das schon um 1400 so bezeichnet wird. Die am sonnigen Südhang liegenden Gehöfte waren dem Kloster Göss untertänig und werden daher auch schon früh in den Urkunden erwähnt.

Die Besiedlung dieser hinteren Seitengräben erfolgte seit dem ausgehenden 12. und dem 13. Jahrhundert unter dem steigenden Bevölkerungsdruck, der die von den elterlichen Höfen weichenden Bauernsöhne und -töchter dazu zwang, sich durch Rodung eine Wirtschafts- und damit zugleich eine Lebensgrundlage zu schaffen.

Dazu mussten sie in die bisher noch ungerodeten Seitengräben vordringen, wie sie eben der Altenberg und die angrenzenden Gemarkungen Hofamt und Schenkenberg damals noch darstellten.

Der Schenkenberg hat seinen Namen offenbar von den Brüdern Hertnid und Ulrich den Schenken von Rabenstein, die u. a. 1276 den „Reiner Schwur" gegen König Ottokar von Böhmen unterzeichneten.

Die Untertanen am Schenkenberg unterstanden am Ausgang des Mittelalters und der frühen Neuzeit den Herren von Windischgrätz, die seit 1468 auf der Burg und später dem Schloss Waldstein sassen. Ebenso gehörten die Untertanen im Hofamt zur nahe gelegenen Herrschaft Waldstein und hatten ihre Abgaben an den Meierhof der Herrschaft abzuliefern, von wo aus das Hofamt verwaltet wurde und auch seinen Namen erhielt. Wer das war, soll nun gezeigt werden.

Die Rodungsarbeiten in den Neusiedelgebieten wurden von den einzelnen Grundherrschaften planmässig geleitet. Das Gebiet zwischen der Einöde bei Steindorf (südlich Frohnleiten) und der „Quelle hei Röthelstein, wo die Mark an die Grafschaft Leoben grenzt", war zumindestens rechts der Mur - mit Ausnahme der dem Kloster Göss geschenkten Besitzungen Gams und Röthelstein - im 11. Jahrhundert offenbar Besitz der Eppensteiner.

Erhielt doch Graf Markwart zwischen 1060 und 1076 von Erzbischof Gebhard von Salzburg über dieses Gebiet für seine Kirche Adriach die vollen Pfarrechte verliehen. Nach dem Aussterben der Eppensteiner (1122) fiel deren Eigengut an den steirischen Landesfürsten; dazu gehörten u. a. auch die Laufnitz und Schrems, die im habsburgischen Güterverzeichnis von ca. 1290 als landesfürstliche Urbar-Ämter ausgewiesen werden.

In der Laufnitz sind 80 Güter verzeichnet, woraus wir schliessen, dass die Rodung damals schon beinahe abgeschlossen war. 1498, d. h. rund 200 Jahre später, besass nämlich die Herrschaft Pfannberg, die im 14. Jahrhundert die Laufnitz erworben hatte, dort 21 Huben, 12 Halbhuben, 29 Hofstätten, 4 Schwaigen und 4 Mühlen, somit 70 Güter. Außerdem gehörten auch noch 2 Weingärten und 1 Wiese zu Pfannberg. Später besass die Herrschaft Pfannberg im Amt Laufnitz nicht weniger als 100 bäuerliche Zinsgüter.'' Das Kloster A d m o n t, dem zwischen 1074 und 1088 die zwei Höfe in Laufnitzdorf geschenkt worden waren, verfügte im Bereich des landesfürstlichen Amtes Laufnitz nur über einige Güter, die von der Propstei St. Martin aus verwaltet wurden.
Über das grösste geschlossenere Herrschaftsgebiet im Bereich der Gemeinde Rothleiten verfügte das Benediktinerinnenkloster Göß mit Gams . Schon anlässlich der Gründung um das Jahr 1000 hatte es - wahrscheinlich als Geschenk des deutschen Königs - ausser Röthelstein auch die ganze G a m s erhalten und besass dort und am Altenberg nicht weniger als 95 bäuerliche Zinsgüter. Die Urbare (Grund- und Abgabenbücher) des Klosters Göss gliederten den Besitz in der Gams in „das Dörflein", „die Schwaigen" sowie in die Viertel „Altenberg", „Pöllagraben", „Gams in der Eben" und „Gams in der Alm".

Die südlich an den Gösser Besitz grenzenden Gemarkungen Schenkenberg und Hofamt wurden von den Herrschaften Rabenstein bzw. Waldstein aus besiedelt, unterstanden aber seit dem 15. Jahrhundert fast alle der Herrschaft Waldstein.

Das Gebiet zwischen Adriach und dem Schenkenberg unterstand zum grössten Teil der Burgherrschaft Rabenstein, die 1138 den hochfreien Herren von Rabenstein gehörte, doch schon ab 1160 an den landesfürstlichen Ministerialen Lantfried von Rabenstein verlehnt war. Allerdings verfügten hier neben den Rabensteinern auch die Pfarre Adriach, die Stadtpfarre Zum Hl. Blut in Graz, die Herrschaft Pernegg und das Zisterzienserstift Rein über Besitz.

Durch die stark steigende Bevölkerungszahl verursacht, wurden bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts - auch im Bereich der Gemeinde Rothleiten - die Rodungen bis in Extremlagen, d.h. bis in die hintersten Seitengräben und in Lagen bis zu 1.200 m Seehöhe hinauf, vorangetrieben. In den Ostalpenländern wurde damals - bezogen auf die Zahl der Bauernhöfe - die höchste Besiedlungsdichte erreicht. Das änderte sich jedoch schlagartig, als ab 1348 durch die aus dem Orient eingeschleppte Beulenpest die Bevölkerung drastisch - und in Europa mindestens um ein Drittel - vermindert wurde."

Für die intensiven Rodungsarbeiten in den gebirgigen Teilen der Steiermark brauchte man besonders viele Menschen. die von den Grundherrn aus dichter besiedelten Landschaften - wie zum Beispiel aus Bayern, Franken oder auch Sehwaben - ins Land gerufen wurden.

Den Siedlern, welche die schwere Rodungsarbeit leisteten, mussten die Grundherrn erstens grössere persönliche Freiheiten und zweitens bessere Besitzrechte gewähren. Im Zuge dieser Entwicklung verschwand allmählich die Leibeigenschaft und es kam zur Ausbildung eines einheitlichen Standes von halbfreien "Holden". Unter .,Holde" verstand man denjenigen. „der in seines Herren Huld bzw. Gnade (gratia) stand", wobei der Holde zu „Treu und Gehorsam".

Der Grundher- aber zu Gewährung von „Schutz und Schirm" verpflichtet war. Sowohl Herr als auch Bauer hatten also Rechte und Pflichten. Auf diese Weise entstand allmählich eine sozial einigermassen vergleichbare Schicht von landwirtschaftlich tätigen Menschen, für die nun der Begriff „Bauern" üblich wurde. Die Bauern auf Rodungsland - wie sie die Gegenden zwischen Schenkenberg und Laufnitz darstellten - besassen zweifellos grössere persönliche Freiheiten. Mussten aber nicht unbedingt wirtschaftlich besser gestellt sein als Leibeigene auf altem Siedlungsland. Eine soziale Besserstellung musste also keineswegs automatisch auch eine wirtschaftliche Verbesserung bedeuten, und umgekehrt brauchte Unfreiheit keineswegs mit wirtschaftlicher Not verbunden zu sein."

Unter Besitzrecht verstand man jene Rechtsform. unter welcher die bäuerlichen Menschen ihr Bauerngut vom Grundherrn übertragen bekommen hatten. Das schlechteste Nutzungsrecht an einem Bauerngut war die sogenannte „Freistift", worunter man ein vom Grundherrn theoretisch jährlich kündbares bäuerliches Besitzrecht verstand. In der Praxis besassen aber auch die „Freistifter'' ihre bäuerliche Hufe auf Lebenszeit, wenn sie diese ordentlich bewirtschafteten. Durch das „Leibgeding-Recht" wurde dem Bauernehepaar der Nutzgenuss an ihrem Besitz auf Lebenszeit garantiert; das „Erbrecht" erlaubte den Bauern auch die Vererbung des Besitzes an eines ihrer Kinder.

Übrigens besassen die meisten Bauern im Bereich der Gemeinde Rothleiten seit dem 15. Jahrhundert ihre Güter in der Regel schon zu „Erbrecht". Dadurch konnte der Grundherr einer Bauernfamilie ihr Gut praktisch nicht entziehen. sofern der jeweilige Besitzerden im Urbar festgelegten Grundzins entrichtete. Dieser konnte übrigens vom Grundherrn nicht willkürlich erhöht werden, sodass der etwa im 14. Jahrhundert festgesetzte Grundzins bis zur Aufhebung der Grunduntertänigkeit im Jahr 1848 unverändert blieb. Wohl aber wurden die öffentlichen Steuern und Abgaben bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts für die Bauern zu einer drückenden, ja kaum erträglichen Belastung.

Obere Eigentümer von Grund und Boden aber blieb bis 1848 der jeweilige Grundherr, dem die Bauern für den vollen Nutzgenuss an ihrem Besitz - das heisst für jenes Gut, das sie besassen - den Grundzins, verschiedene andere Abgaben so wie Robot leisten mussten; die Kirche konnte den Zehent, d.h. den zehnten Teil der Feldfrüchte, fordern.

Wir sehen daraus, dass Grundherren und bäuerliche Holden in einem wechselseitigen Pflicht- und Treuverhältnis standen. Der Grundherr stellte dem Bauern erstens Grund und Boden und zweitens vielfach auch Vieh zur Verfügung. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Bauern war je nach Grundherrschaft und Wirtschaftslage verschieden.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gab es zum Teil schon recht wohlhabende Bauern, die einen Teil ihres Grundzinses bereits in Geld bezahlen konnten. Vor allem war der Bauer im Mittelalter auch keineswegs rechtlos; beimjährlichen „Bann Taiding" wurde durch die ältesten Bauern das geltende Recht „gewiesen". Die Bauern wählten „Dorf-" oder „Gegend Richter", die dem Grundherrn schworen, „der Gegend Recht und Gewohnheit, Freiheit und Ordnung" zu bewahren.

Durch das „grosse Sterben", wie die von 1348 bis 1385 in mehreren Wellen über ganz Europa hinweggegangenen Pestepidemien bezeichnet wurden, war auch in der Steiermark die Bevölkerung um rund ein Drittel dezimiert worden.

Allerdings war die Sterblichkeit in den Einzelhof-Siedlungsgebieten natürlich nicht so gross, wie in den Städten und Dörfern. Daher ist auch die mündliche Überlieferung, dass am Altenberg nur ein einziger alter Mann überlebt habe und daher der Name „Altenberg" stamme, eine Legende. Allerdings ist die Erinnerung an den „Schwarzen Tod" in der Bevölkerung nach wie vor lebendig, wie das „Jordankreuz" zeigt, das an die Pest erinnern.

Durch den Rückgang der Bevölkerung stieg der Wert der menschlichen Arbeitskraft, und die Grundherren mussten den überlebenden bäuerlichen Untertanen bessere soziale und wirtschaftliche Rechte gewähren. Auf diese Weise verschwand im Gebiet des heutigen Österreich damals die Leibeigenschaft endgültig, und da die überlebenden Bauern die Gründe der ausgestorbenen Nachbargüter mitbewirtschafteten, vergrösserte sich auch die Fläche der meisten Bauerngüter, was auch im Laufnitzgraben nachzuweisen sein dürfte.

Als die Preise für die Agrarprodukte im 16. Jahrhundert durch den neuerlichen Anstieg der Bevölkerung gleichfalls deutlich stiegen, weiteten die meisten Grundherren ihre von den Meierhöfen aus betriebenen Eigenwirtschaften wieder aus, was eine Steigerung der Robotbelastungen vor allem für jene Bauern bewirkte, die nahe der herrschaftlichen Meierhöfe lebten. Die Bauern in der Hinterlaufnitz und die Gösser Bauern in der Gams sowie die der Herrschaft Waldstein untertänigen Bauern am Schenkenberg und im Hofamt konnte man zu dieser erhöhten Robot ja kaum heranziehen.

Auch sie aber profitierten zweifellos von den steigenden Agrarpreisen. Das ermöglichte es einzelnen bäuerlichen Besitzungen, ihre Bergbauernhöfe entsprechend auszubauen, wie zum Beispiel der noch aus der Spätgotik stammende Bergbauernhof des Anwesens Prietl vulgo Fuchs am Schenkenberg oder andere Höfe zeigen, die damals mit wunderschön gearbeiteten und verzierten Riemlingdecken ausgestattet wurden, wie zum Beispiel „Unterferler" in Laufnitzdorf, „Huber" in der Hinterlaufnitz oder eben der vulgo Fuchs am Schenkenberg.

Im übrigen könnte auch der seit der Mitte des 15. Jahrhunderts im Arzwaldgraben auf Blei und Silber betriebene Bergbau den Bauern eine bessere Absatzmöglichkeit für ihre landwirtschaftlichen Produkte geboten haben.

Interessant sind die Angaben, welche Abgaben die Admonter Untertanen in Laufnitzdorf 1434 zu entrichten hatten. Das grösste der drei Güter besass damals ein gewisser Dyetel, der jährlich 20 Viertel (ca. 840 Liter) „Korn", d. h. Roggen, und 12 Viertel (ca. 507 Liter) Hafer zu entrichten hatte. Statt einiger Schweine, die er früher in natura zu entrichten hatte, bezahlte er nun 110 Pfennige, doch vier Hühner hatte er nach wie vor in natura zu geben.

Der obgenannte Dyetel besass offenbar den Rieglmoarhof und hatte vermutlich die Aufgaben eines admontischen Amtmannes zu erfüllen, weil die zwei anderen Admonter Untertanen in Laufnitzdorf ihre Abgaben „in das Guet, das Dyetelze Lauffnitz innhat" abzuliefern hatten. Der Inhaber des späterhin als „Raispacherhof" und nachmals als „Petermeier" bezeichneten Bauerngutes zinste im Gegensatz zum Rieglmoarhof bloss 10 Viertel (ca. 420 Liter) Roggen, 8 Viertel (ca. 340 Liter) Hafer und 70 „Schweinepfennige" anstatt der Naturalleistungen.

Im übrigen war es für die Bauern sehr günstig, ihren Grundzins statt in Naturalien bereits in Geld zu entrichten, denn der einmal festgesetzte Geldbetrag durfte vom Grundherrn trotz der im Laufe der Jahrhunderte eintretenden Geldentwertung nicht weiter erhöht werden.

Während 1434 die Admonter Bauern in Laufnitzdorf nur mehr Roggen und Hafer zinsten, hatten sie nach einem Urbar von 1350 seinerzeit auch noch Weizen abzuliefern gehabt.

1529 musste die geistliche Grundherrschaft zur Finanzierung der Türkenabwehr ein Viertel ihrer liegenden Güter verkaufen. Das zwang das Kloster Admont unter anderem dazu, auch die drei Bauerngüter in Laufnitzdorf an die Familie der Freiherrn von Breuner zu verkaufen. In deren Pfandbesitz blieben diese Güter bis um 1610, denn erst 1618 werden sie wieder in einem Admonter Urbar verzeichnet.

Die Grundherrschaften hatten gegenüber ihren Untertanen nicht nur die eigenen Verwaltungsagenden, sondern auch staatliche Aufgaben wahrzunehmen. Dazu gehörte die Einhebung der vom Landtag oder der kaiserlichen Hofkammer verordneten Steuern und sonstigen landesfürstlichen Abgaben.

Diese betrugen schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein Vielfaches jener Summen, die an die Grundherrschaft zu leisten waren. So hatte 1652 der Georg Winkler auf dem „Riegel(moar)hof" der Grundherrschaft nur etwa 4 Gulden, an Steuern aber mehr als 39 Gulden zu bezahlen. Grundlage der öffentlichen Steuern war der vom jeweiligen Bauern zu entrichtende Grundzins bzw. dessen Wert.

Um 1750 hatten die Bauern folgende Steuern zu entrichten:
1. die vierfache Steuer, die dem vierfachen Grundzins entsprach;
2. den 3 1/2 fachen Soldatenzinsgulden, der dem 3 1/2 fachen Grundzins entsprach;
3. den halben Verpflegungszinsgulden, der dem halben Grundzins entsprach;
4. den Achtel-Zinsgulden für das Musicimposto, der ein Achtel des Grundzinses ausmachte;
5. die einfache Leibsteuer und
6. als Mühlgeld von jedem Laufer oder jeder Stampfe einen Gulden.

Die Bauern hatten also an öffentlichen Steuern etwa die acht- bis neunfache Summe ihres Grundzinses zu entrichten?
Angesichts der so drückenden Steuern begann die „Kaiserin" Maria Theresia ab 1748 mit einer Bauernschutz-Gesetzgebung. Die Besserstellung der in der Landwirtschaft tätigen Menschen erschien ihr nicht zuletzt deshalb vordringlich, weil diese damals in der Steiermark noch mindestens 85 Prozent der Bevölkerung ausmachten.

Wollte die Herrscherin die Wirtschaft und damit den Wohlstand des Landes und seiner Bewohner fördern, musste sie trachten, dies durch Reformen im Bereich der Landwirtschaft zu erreichen. Zu diesem Zweck nahm sie eine grundlegende Reform der Grundsteuern in Angriff, wozu ab 1748 der sogenannte „Theresianische Kataster" angelegt wurde.

Durch ihn wurde die bisherige Steuerfreiheit der von den Grundherrn selbst bewirtschafteten Gründe (Dominichal- oder Herrenbesitz) aufgehoben. Durch diese Aufhebung der Steuerfreiheit des Adels und der Geistlichkeit in ihren Kronnländern hat Maria Theresia jene Ungerechtigkeiten weitgehend beseitigt, die in Frankreich 1789 zur Revolution führten. In deren Verlauf wurde ja Maria Theresias eigene Tochter, die französische Königin Marie Antoinette, hingerichtet.

Im Zusammenhang mit der Reform des Katasterwesens mussten die einzelnen Grundherrschaften ein sogenanntes „Rektifikationsurbar" anlegen, in dem die einzelnen bäuerlichen Realitäten erstmals eine „Urbarnummer" erhielten.

Diese Urbarnummern wurden bis in die heute nocht gültigen Grundbücher übernommen, sodass jederzeit festzustellen ist, welcher Grundherrschaft die betreffende Realität bis 1848 untertänig war. Darüber hinaus musste fortan in jedem grundherrschaftlichen Urbar angegeben sein, welchen „Vulgo-" oder „Hausnamen" die betreffende Realität führte.

Im ländlichen Bereich sind die Hausnamen ja heute noch vielfach lebendig; sie erleichterten den grundherrlichen Beamten die Unterscheidung der einzelnen Bauerngüter, was deshalb besonders wichtig war, weil innerhalb der Dörfer oder einzelnen Ämter oft mehrere Besitzer mit dem gleichen Familiennamen wohnten.

In vielen Teilen der Steiermark hatte um die Mitte des 18. Jahrhunderts auch die Robotbelastung der Bauern ein fast unerträgliches Mass erreicht. War doch in weiten Landesteilen die tägliche Robot üblich. Um diese schwere Belastung zu mindern, erliess Maria Theresia 1778 das sogenannte „Robotpatent", das die Höchstzahl der von einem Bauern zu leistenden Robot mit höchstens drei Tagen in der Woche bzw. 156 Tagen im Jahr festsetzte. Für die Bauern im Bereich der Gemeinde Rothleiten war diese Regelung jedoch ohne Bedeutung, weil kaum einer von ihnen zu einer so hohen Robotleistung verpflichtet war.

Schon zu dieser Zeit war die Zahl der zur Herrschaft Pfannberg gehörigen Besitzungen in der Laufnitz gegenüber 1498 stark zurückgegangen, wie die von G. Schweizer erstellte Tabelle zeigt.

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